Praktikum in La Coruna soll jungen Leuten bei Jobsuche helfen
Info: Die Generalprobe fiel ins Wasser. Genauer gesagt in die Unstrut, direkt beim Arterner Wehr. Das Boot war gekentert, erinnert sich Steffen Himmel. Die Tour auf dem Wasser war der Höhepunkt des mehrwöchigen Vorbereitungskurses, den die künftigen Praktikanten absolvieren mussten, bevor es im Oktober an den Einsatzort im spanischen La Coruna ging.
Sondershausen. Von wo sie jetzt zurückkehrten. Steffen Himmel aus Artern ist einer der acht Teilnehmer des von der EU finanzierten Projekts "Lernen und arbeiten in Europa". Dem ersten seiner Art in Thüringen, hebt Sabine Meier, Projektleiterin beim Kreisjugendring hervor. Das Angebot richtet sich an in irgend einer Weise benachteiligte Jugendliche. Das Praktikum in Spanien oder in der Nähe von Bordeaux in Frankreich soll die Chancen bei der Lehrstellen- oder auch bei der Arbeitssuche verbessern. Weshalb die insgesamt 56 Teilnehmer zwischen 16 und 30 Jahre alt sind. Die Teilnahme- Zertifikate machen sich in den Bewerbungsunterlagen gut. Madlen Hyna aus Holzengel ist bei der Reise ein Klischee abhanden gekommen: Bei einem Sonntagsausflug musste sich ihre komplette Truppe Regenschirme kaufen. Denn in Spanien scheint nicht immer die Sonne. Gegen ein anderes Klischee ist schwer anzukommen.
Das Praktikum war eben kein kostenloser Urlaub für arbeitslose Jugendliche, sondern teils harte Arbeit. Als gelernte Hotelfachfrau war Madlen Hyna an der Rezeption eines Hotels eingesetzt. Was ihren Vorsatz festigte, sich in Deutschland nun einen Job im Büro, möglichst im öffentlichen Dienst zu suchen. Bei dem sie sicher nur eines vermissen wird: den Blick vom Tresen hinaus aufs Meer. Diese Betriebspraktika haben auch einen anderen Zweck, erläutert Sabine Meier. So sollen die jungen Leute Sprachen beherrschen und Land und Leute kennen lernen. Vor allem aber sollen sie lernen, ihre Mobilität zu verbessern, also flexibler bei mit Jobangeboten verbundenen Wohnungswechseln zu reagieren.
Wie wichtig das sei, habe die sehr zögerliche Reaktion auf das an sich tolle Angebot gezeigt, weiß die Projektleiterin. 23 jungen Frauen und Männer waren von den Ausbildern als tauglich eingestuft worden. Die erhielten eine Einladung zu einem Gespräch. Nur fünf erschienen tatsächlich. Zwei waren schließlich für den Spanien- Trip zu begeistern. "Wir müssen die Angst vor Veränderung abbauen, wenn die jungen Leute Chancen haben sollen", sagt Sabine Meier.
Zumal das Angebot kostenlos ist. Von Sondershausen aus lässt sich so ein Auslandseinsatz kaum organisieren. Weshalb der Kreisjugendring dabei auf Partner direkt vor Ort setzt. Die erhalten Informationen über die Berufe der Teilnehmer und suchen danach die Praktikumsbetriebe. Darunter in erster Linie das Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch verschiedene Autowerkstätten und Praxen für Physiotherapie. Steffen Himmel war in einer Eisdiele untergekommen. Für den Verkauf an die Touristen reichten die Sprachkenntnisse nicht. Aber gutes Eis kann der gelernte Verkäufer schon herstellen. Eine Arbeit in dieser Richtung kann sich der Arterner gut vorstellen. Um die Jugendarbeitslosigkeit im Gastgeberland sei es deutlich schlechter bestellt, als in Deutschland, meint Gabriela Helbing, Geschäftsführerin bei der Nordhäuser Arbeitsagentur.
Während in Europa jeder fünfte Jugendliche ohne Job ist, liegt die Quote hier bei 9,1 Prozent. In Griechenland sogar bei 40 Prozent. Und die Krise habe die Perspektivlosigkeit verstärkt, ist Frau Helbing sicher. Im Kyffhäuserkreis sah es in Sachen Jugendarbeitslosigkeit stets nicht ganz so gut aus. Deshalb das Ziel, die 13,4 Prozent bis 2013 zu halbieren. Nach zwei Jahren liege man gut im Kurs, sagt die Geschäftsführerin. Die Jugendarbeitslosigkeit sei in den vergangenen beiden Jahren um 44 Prozent gesunken. Projekte wie dieses Auslandspraktikum könnten beitragen, die Jobsuche positiv zu begleiten. Katleen Hegwer aus Artern hat einen Job gefunden. Die 21- Jährige wird ab Januar in ihrem Beruf als Köchin bei der Volkssolidarität in Bad Frankenhausen arbeiten. Ihre Spanien- Kenntnisse blieben bei der Einstellung unberücksichtigt.