Info: Ob Jacke oder Buch: Kunden wandern von der Fußgängerzone ins Netz ab. Daher erweitern traditionelle Händler ihr Onlineangebot. Was beim virtuellen Weihnachtseinkauf wichtig ist. von Annika Janßen
Anzeige
Alle Jahre wieder erfreut das Weihnachtsgeschäft die Einzelhändler mit klingelnden Kassen. Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) erwirtschaftet die Branche gut ein Fünftel des Jahresumsatzes im November und Dezember. Bei Geschenkartikeln wie Spielwaren, Bücher und Elektronik sind es sogar bis zu 30 Prozent. Für das laufende Jahr geht der HDE von einem Umsatzplus von 1,5 Prozent aus - Handelsunternehmen könnten der Vorweihnachtszeit also entspannt entgegenblicken.
Theaterkarten aus dem Netz
Jedoch haben längst nicht alle Kunden Zeit und Muße, sich an den Adventswochenenden für eine ausgedehnte Shoppingtour durch Fußgängerzonen zu drängen. Immer öfter werden Weihnachtsgeschenke im Internet bestellt. Der Onlinehandel ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: 85 Prozent aller Internetnutzer haben bereits online eingekauft. Vor allem Kunden in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen füllen fleißig den virtuellen Einkaufswagen: 91 Prozent tätigen ihre Einkäufe mehr oder weniger regelmäßig im Internet, belegt eine Studie des IT-Branchenverbands Bitkom. Zudem werden in Deutschland selbst Offlinekäufe immer häufiger mit einer ausgiebigen Recherche im Internet verbunden, hat das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest herausgefunden. Kunden vergleichen zunächst im Internet die Preise, bevor sie in einen Laden gehen, dadurch sparen sie Zeit.
Der allgemeine Trend zum Online-Shopping macht sich zwar ganzjährig bemerkbar, ist in der Vorweihnachtszeit aber besonders deutlich. "Traditionell verdoppelt sich die Tagesmenge an Paketen in der Vorweihnachtszeit", sagt Dunja Kuhlmann, Sprecherin des Paketdienstleisters Deutsche Post DHL. "Das ist auch auf den zunehmend genutzten Onlineversandhandel zurückzuführen." Da können dann leicht aus den normalerweise 2,6 Millionen von DHL täglich zugestellten Paketen fünf Millionen und mehr werden.
Schuhe kann man problemlos online kaufen - Haustiere nicht
Die Anfänge des sogenannten E-Commerce, also des Verkaufs von Waren aller Art via Internet, liegen im Jahr 1995. Damals wurde das Netz zugänglich für die Kommerzialisierung, zeitgleich gingen einige große Suchmaschinen an den Start, was beste Voraussetzungen für den Onlineverkauf von Waren schuf. Das noch heute den Markt dominierende Versandhaus Amazon, welches damals als virtuelle Buchhandlung startete, bietet mittlerweile die gesamte Produktpalette der Unterhaltungselektronik an, außerdem Bekleidung, Haushaltswaren, Sport- und Geschenkartikel. Im dritten Quartal 2011 setzte Amazon nach eigenen Angaben weltweit Waren im Wert von 10,88 Mrd. Dollar um. Zum Vergleich: Die Metro-Tochter Media-Saturn erzielte im selben Quartal lediglich einen Umsatz von 4,7 Mrd. Euro.
Mittlerweile gibt es fast nichts mehr, was Kunden nicht im Netz bestellen können. Trotzdem verkaufen sich online längst nicht alle Waren gleich gut. So erwerben etwa 85 Prozent der Internetnutzer ihre Lebensmittel nach wie vor beim Händler vor Ort, zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Auch ihre Blumenerde oder den Akkuschrauber kaufen zwei Drittel der Kunden direkt im Baumarkt oder im Gartenhandel. Manche Dinge lassen sich aufgrund logistischer Probleme ohnehin kaum online an den Mann bringen: Fachgeschäfte für Tierbedarf finden sich zwar auch im Internet, Haustiere lassen sich online jedoch nicht so einfach erwerben.
Das Shoppen im Internet ist bequem, günstig und bietet ein breites Warensortiment. Trotzdem kann sich ein Onlineeinkauf schnell als Reinfall erweisen, wenn man dabei nicht einige Punkte beachtet. Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt, zunächst die Seriosität eines Anbieters zu prüfen, so weit dies dem Kunden möglich ist: "Sogenannte Fake-Shops, die Ware anbieten, aber nicht verschicken, erkennt man dennoch meist schlecht, weil sie oft sehr gut gemacht sind." Ein Blick ins Impressum, das eine vollständige Firmenanschrift enthalten sollte, bietet immerhin einen gewissen Schutz. Auch Bewertungen anderer Nutzer sollte man Beachtung schenken, wenn auch nicht alles zu glauben ist, was in Onlineforen verbreitet wird.