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Info: Verwirrende Formulierungen, falsche Produktangaben, irreführende Werbung - all das ist in wettbewerbsintensiven Branchen seit Langem üblich. Da ist der Bekleidungshersteller, der einen normalen Schafwollpullover als Kaschmirprodukt ausweist. Oder der Finanzdienstleister, der die Gebühren für das angeblich kostenlose Girokonto in den Fußnoten versteckt. Aber auch das Geschäft mit Literatur und Sachbüchern ist härter geworden, und selbst seriöse Anbieter greifen inzwischen zu raffinierten Tricks, um ihre Ware unter die Leute zu bringen.

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wirtschaft-vertraulich.de/2011
Das fängt schon bei den Titeln an. Früher waren Buchtitel reine Inhaltsangaben, man denke an den "Tod in Venedig" oder "Die Leiden des jungen Werther". Heute sind Buchtitel Werbetexte, die nur noch wenig mit dem Inhalt zu tun haben. Wenn ein Roman namens "Mit der Geschwindigkeit des Sommers" von einer tristen ostdeutschen Provinzstadt handelt, werden viele Leser enttäuscht. Andere Titel wie "Der Geschmack von Apfelkernen", "Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen" oder "Die letzte Zigarette" sprechen gezielt Käufer an, die eigentlich abnehmen wollen oder aufhören zu rauchen.

Ein weiterer Kniff der Verlage besteht darin, das gleiche Produkt immer wieder neu zu verpacken. So bringt die Hamburger Firma Hoffmann & Campe alle paar Jahre ein weiteres Buch von Ulrich Wickert heraus, das vom Werteverfall handelt. Dass es sich um fast identische Produkte handelt, erfährt der Leser erst im Untertitel. Also: Finger weg von Wickert-Titeln wie "Zeit zu handeln: Den Werten einen Wert geben", "Der Ehrliche ist der Dumme: Über den Verlust der Werte", "Gauner muss man Gauner nennen: Von der Sehnsucht nach verlässlichen Werten" und "Redet Geld, schweigt die Welt: Was uns Werte wert sein müssen".

Gewarnt werden muss auch vor Neuübersetzungen. Im gesättigten Klassikermarkt versuchen Verlage wie Hanser Kasse zu machen, indem sie die altbekannten Romane von Tolstoi, Flaubert und Dickens neu übertragen lassen. Dann heißt Dostojewskis "Jüngling" plötzlich "Ein grüner Junge", und "Schuld und Sühne" wird zu "Verbrechen und Strafe". Dem Leser wird dabei suggeriert, seine alte Ausgabe sei nicht auf dem neusten Stand und müsse ausgetauscht werden. Hier gilt das Gleiche wie für die grundsolide Waschmaschine, die auch nicht entsorgt werden muss, bloß weil sie in die Jahre gekommen ist.

Die Liste der Tricks, mit denen die Verlage naive Leser überrumpeln, ist lang. Zu prüfen wäre, warum immer mehr 1000-Seiten-Romane erscheinen. Und sind Großdruckausgaben bloß ein Mittel, um versteckte Preiserhöhungen durchzusetzen? Was hat es mit den Pressestimmen auf sich, mit denen die Verlage hausieren gehen? Nicht alles, was die "FAZ" als "funkelnde Prosa, die süchtig macht" bezeichnet, funkelt und macht süchtig. Was ist da los? Und warum beschwert sich niemand?

Das Problem ist wahrscheinlich, dass die meisten Buchfreunde geduldige Menschen sind, ansonsten würden sie ja nicht Bücher lesen, sondern twittern oder an der Börse spekulieren. Außerdem fehlen ihnen die Mittel, um gegen die Verlage vorzugehen. Die Einrichtung einer Verbraucherzentrale, die enttäuschten Lesern rund um die Uhr zur Verfügung steht, wäre daher ein Schritt in die richtige Richtung.

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