Marburger Netzwerk hilft Asylbewerbern bei Jobsuche
Info: Marburg (dapd). Ein Job könnte für Bryan Rattan der sprichwörtliche Sechser im Lotto sein. »Er könnte alles für mich entscheiden«, sagt der gebürtige Inder. In Deutschland ist er rechtlich geduldet, das heißt, seine Abschiebung wird regelmäßig für eine bestimmte Zeit ausgesetzt.
Der gebürtige Inder Bryan Rattan ist in Deutschland rechtlich geduldet. Er macht zurzeit eine Ausbildung zum Fremdsprachensekretär. (Foto: dapd)
»Ich kann nie länger als drei Monate planen.« Eine Arbeitsstelle könnte für ihn eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bedeuten. Dass er eine solche bekommt, dabei hilft ihm das Netzwerk »Bleib in Hessen« in Marburg.
Seit Ende vergangenen Jahres wollen derzeit elf Netzwerkpartner Bleibeberechtigte und Flüchtlinge in Hessen in den Arbeitsmarkt integrieren. Damit solle langfristig deren aufenthaltsrechtliche Situation verbessert werden, sagt der kommissarische Leiter des Netzwerks, Frank Bölts. Das erhofft sich auch Rattan: Der 21-Jährige, der 2007 wegen politischer Verfolgung nach Deutschland kam, macht zurzeit eine schulische Ausbildung zum Fremdsprachensekretär in Gießen. »Wenn ich nach meinem Abschluss im nächsten Sommer einen Job bekäme, dann würde ich vielleicht zum ersten Mal eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis bekommen«, sagt er.
Sprachförderung und individuelle Beratung
Rattan ist einer von ungefähr 1300 Betroffenen im Projektgebiet. »Wir wollen 50 bis 60 Prozent der Bleibeberechtigten und rund 30 Prozent der Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung bringen«, sagt Bölts. Bleibeberechtigt sind jene, die eine auf normalerweise zwei Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis besitzen, nachdem sie bereits eine bestimmte Zeit in Deutschland geduldet gelebt hatten. Geduldete wie Rattan sind alle, deren Abschiebung befristet ausgesetzt wird. Als Flüchtlinge werden diejenigen bezeichnet, die sich im Asylverfahren befinden.
»Bleib in Hessen« ist eines von zwei Netzwerken in Hessen – neben »Basix – Interkulturelles Qualifizierungsmanagement« des Landkreises Hersfeld-Rothenburg. Damit werden Bleibeberechtigte, Geduldete und Flüchtlinge relativ flächendeckend in Nord- und Mittelhessen mit Unterstützung versorgt. Bundesweit gibt es zurzeit 28 solcher Projekte, die vom Europäischen Sozialfonds und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert werden.
Die Projektpartner von »Bleib in Hessen« bieten vor allem Bewerbungscoachings, Deutschkurse und individuelle Beratung zum Arbeitsmarkt und rechtlichen Angelegenheiten an. »Der Schwerpunkt an Bedarf liegt auf berufsbezogener Sprachförderung«, sagt Bölts. Diese hat Bryan Rattan nicht mehr nötig – dafür hilft ihm seine Betreuerin bei einem Projektpartner beispielsweise bei Telefonaten mit der Ausländerbehörde. Nun suchen sie auch gemeinsam nach Stellenangeboten. »Besonders die direkten Kontakte zu den Arbeitgebern sind hilfreich«, lobt Rattan.