Info: Gäbe es Murakami, wenn nicht eine Generation vor dem japanischen Kunst-Star ein Grafiker sich so in die amerikanische Pop-Art verliebt hätte wie Keiichi Tanaami? Die Zeichnungen und Filme des im Jahr 1936 geborenen Grafikers und Illustrators wirken wie Vorarbeiten zur zeitgenössischen japanischen Kunst. Doch hat Keiichi Tanaami den Eintritt durch die Seitentür der Kunstgeschichte nicht nötig - liefen doch seine Animationen schon in den siebziger Jahren auf internationalen Kunstfilmfestivals.
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Nach einer Ausstellung seiner Plakate vor zwei Jahren zeigt die Berliner Galerie Gebr. Lehmann nun in einer eigenen Schau auch Tintenzeichnungen, Collagen und die
Storyboards zu den Animationen. Was auf den ersten Blick wirkt, wie auf japanisch getrimmtes Retro-Design, zeigt sich als originäre, zutiefst aufrichtige Grenzgänge eines Künstlers, dessen Kompass nicht nur Ost und West, sondern auch High und Low anzeigt. Immerhin hatte Keiichi Tanaami die Technik der Serigraphie bei Andy Warhol persönlich gelernt, als er im Jahr 1967 in die USA gereist war um das psychedelische Party-Amerika dieser Zeit ausgiebig zu erkunden.
Danach kombinierte er Manga-Ikonographie und Pop in ungebremster Virtuosität: Die klaren Konturen in schwarzer Tinte oder festem Stift fassen so krude Zusammenstellungen wie das Selbstporträt des Künstlers neben einer Superman-Uniform. Die Signets amerikanischer Populärkultur bettete Tanaami auf welligen Mustern. Elvis Presley, Yoko Ono und Marilyn Monroe fließen sanft aufs Papier. Während diese Blätter inzwischen zu Preisen zwischen 9500 und 13000 Euro angeboten werden, sind die Filme auf DVD günstig. 2000 Euro kostet beispielsweise 'Good-bye Elvis and USA' (1971) eine sieben Minuten dauernde Animation, die in einer Auflage von 25Stück erschienen ist. Und auch die mit 'Animation continuity' betitelten Vorarbeiten sind mit 7000 Euro noch günstig zu haben.CATRIN LORCH