Info: Gutes Benehmen entscheidet für Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner über Karrieren oder Misserfolge. Der schlimmste Fehler sei aber, Fehler nicht zuzugeben.
Innsbruck – Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner ist Herr über 72.400 Mitarbeiter. Wer bei ihm Karriere machen will, muss einige besondere Eigenschaften mitbringen. Welche, das verriet Haselsteiner kürzlich bei einem Vortrag am Management Center Innsbruck (MCI).
Grundvoraussetzung für einen Aufstieg zur Führungskraft sei in allen Branchen, dass ein Mitarbeiter sein Fach beherrsche. „Und das in der größtmöglichen Breite und nur in der notwendigsten Tiefe“. Haselsteiner wünscht sich in seinem Unternehmen Mitarbeiter, die möglichst breit informiert sind und eine humanistische Bildung mitbringen. „Wenn wir diese Basis über Bord werfen, dann beherrscht das den Ton sowie die Atmosphäre und damit das Fortkommen von Unternehmen und Personen“, erklärte der Strabag-Chef.
Ganz oben auf seiner Liste der Karriere-Voraussetzungen stehen für den gebürtigen Wörgler Manieren. Ob beim Geschäftsessen oder im persönlichen Gespräch – wer Führungskraft werden wolle, müsse sich bewusst sein, dass die Details entscheiden. Bevor er jemanden zum Topmanager mache, verbringe er mindestens ein Wochenende mit ihm, verriet Haselsteiner. Sein Tipp: Je legerer die Umgangsformen in einem Land sind – etwa wenn man sich wie in den USA schnell mit dem Vornamen anspricht –, umso genauer werde auf Manieren geachtet.
Weitere entscheidende Karriere-Faktoren seien Teamfähigkeit und Flexibilität. „Ich war in Lienz im Internat. Wer da herauskommt, ist entweder teamfähig oder tot“, scherzte Haselsteiner. Lebenslanges Lernen müsse tatsächlich ernst genommen werden. „Das bedeutet nicht, sich vor den Fernseher zu setzen und ‚National Geografic‘ zu schauen. Es bedeutet, die Anstrengungen des Lernens immer wieder neu auf sich zu nehmen.“
Wichtig sei in diesem Zusammenhang das Thema Sprachen. Sehr gutes Deutsch sei zweifelsfrei die Basis. Wenn jemand zudem gut oder sehr gut Englisch spreche, dann bedeute das heute in etwa so viel, wie Lesen und Schreiben zu können – sei also eine Grundfertigkeit. Wer wirklich weiterkommen wolle, sollte mindestens eine Ost-Sprache beherrschen, meint Haselsteiner. „Was immer die Krise bringen wird: Die Erweiterung Europas liegt nicht im Atlantik, sondern wir werden sie im Osten suchen und finden.“ Nachsatz: „Lernen Sie nicht alle immer Italienisch, nur weil es so nett klingt.“
Wer es zur Führungskraft geschafft hat, für den hat Haselsteiner konkrete Tipps. „Sie sind ein Teamführer. Sie sind Vorbild, Lehrer und Trainer – und zwar permanent“, erklärte er. Gar nicht vorteilhaft sei es, wenn jemand dann „den Chef heraushängen lässt“, im Idealfall verhielte sich ein Teamführer wie ein „Primus inter Pares“, ein Erster unter Gleichen. Und: Er schaffe es, sein Team zu begeistern und ein Feuer für die Aufgaben zu entfachen.
Entscheidend für den Teamerfolg sei zudem, dass die Führungskraft Disziplin herstellt und gleichzeitig soziale Verantwortung übernimmt. „Das ist die Basis von unternehmerischem Erfolg“, ist Haselsteiner überzeugt.
Größter Fauxpas, den ein Chef begehen kann: „Der schlimmste Fehler im Management ist, einen Fehler nicht zuzugeben.“ Beispiele wie die Bawag-Spekulationsverluste hätten gezeigt, dass das Verleugnen und spätere Vertuschen von Fehlern nur zu einer Kette weitere Fehler führe – und der Schaden werde immer größer. „Entscheidend ist nicht, dass man Fehler macht – die macht jeder. Unverzeihlich ist es, Fehler zuzudecken.“ Das gefährde das gesamte Unternehmen.
Letztendlich müsse eine Karriere, die natürlich auch mit Verzicht verbunden sei, aber vor allem eines können: Sie muss Spaß machen. „Machen Sie nie etwas, das Sie nicht gern tun. Sie werden nicht gut genug werden“, betonte Haselsteiner. Nachsatz: „Wenn Sie das Wort Arbeitsleid kennen, tun sie jetzt etwas.“ (wer)