Info: Ganderkesee & ich: So heißt ein Buch, das die Gemeinde zur 1150-Jahr-Feier herausgebracht hat. Mein heutiger Gesprächspartner schreibt darin: „Nirgendwo waren unsere Wurzeln so tief eingewachsen wie in Ganderkesee“.
Dabei beginnt seine Geschichte in Friesland, denn Heinz Gronewold wurde 1939 in Sanderbusch geboren. Seinen Vater lernte er erst mit acht Jahren kennen, als der an Silvester 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. „Fasse nie ein Gewehr an, darauf liegt kein Segen“: Diese Erkenntnis hatte Heinz Gronewold in ganz jungen Jahren schon für sich gewonnen – und er hat sie bis heute in die Tat umgesetzt. Den Wehrdienst hat er verweigert und nicht einmal zum Schützenfest hat er je auf eine Scheibe geschossen.
Da Heinz schon als Kind sehr kreativ war und im Zeichnen immer eine Eins im Zeugnis hatte, begann er nach neun Jahren Volksschule 1954 die Lehre zum Technischen Zeichner. Nur kurze Zeit später erkrankte er aber an Wirbelsäulentuberkulose. Zweieinhalb Jahre verbrachte er im Krankenhaus. Während seine Altersgenossen so richtig ins Leben starteten, musste Heinz während der gesamten Zeit stramm in einem Gipsbett liegen. Erst im Oktober 1957 konnte er seine Lehre wieder aufnehmen.
Nach der Abschlussprüfung setzte die Firma große Hoffnungen in den jungen Mann. Zunächst arbeitete er auch noch für die Firma in Köln. Doch während dieser Zeit fing er an, sich über sein Leben Gedanken zumachen. Ein Zeitungsartikel über die Arbeit eines Diakons faszinierte ihn. Schnell erkannte Heinz Gronewold: „Das ist es!“
Er hätte in Berlin oder Hannover seine Ausbildung zum Diakon machen können, er wählte aber das Lutherstift im kleinen Ort Falkenburg in der Gemeinde Ganderkesee. An die vierjährige Ausbildung schloss sich ein Berufsanerkennungsjahr an, das Heinz Gronewold im Kreis Gifhorn als Kreisjugendwart absolvierte. Er hätte sich durchaus vorstellen können, diese Arbeit mit Jugendlichen länger auszuüben, doch er bekam das Angebot, die Leitung des Lehrlingsheims für verhaltensauffällige Jugendliche in Falkenburg zu übernehmen. So kehrte er 1966 wieder in die Gemeinde Ganderkesee zurück.
Während seiner Ausbildung in Falkenburg hatte Heinz eine junge Frau kennengelernt, die wie er aus Friesland stammte. In der Zwischenzeit war sie als Gemeindehelferin in Delmenhorst beschäftigt. Zwischen beiden wuchs tiefe Zuneigung und 1966 wurde geheiratet. Allerdings meinte es das Schicksal zunächst nicht gut mit Heinz und Helga Gronewold: Ihr erstes Kind Ruth-Herma kam 1967 ungesund auf die Welt und verstarb nur ein Jahr später, kurz nach der Geburt des zweiten Kindes Jan. Das Ehepaar Gronewold bekam mit Anne (1969), Rike (1972) und Tim (1974) noch drei weitere Kinder.
Da die Situation im Lehrlingsheim nicht ihren Anforderungen genügte, zog die junge Familie 1968 nach Hannover. In einer Gemeinde am Rande der Landeshauptstadt war Heinz Gronewold in der Jugendarbeit tätig. Wie schon in Gifhorn fühlten sich alle wohl, bis erneut Falkenburg ins Blickfeld kam: Da das Lutherstift in eine Bildungsstätte der hannoverschen Landeskirche umgewandelt wurde, wollten die Verantwortlichen Heinz Gronewold als Hausvater und als pädagogischen Mitarbeiter gewinnen. Also zog die Familie 1972 zurück in die Gemeinde Ganderkesee – und blieb danach zum ersten Mal für längere Zeit an einem Ort.