Info: Rekordzinsen für Italien, der drohende Bonitätsverlust für Frankreich, und Hebel-Probleme für den Rettungsfonds EFSF: Das Treffen der Euro-Finanzminister am Dienstag in Brüssel ist von zahlreichen Hiobsbotschaften überschattet worden.
Die zunächst wichtigste Nachricht vom erneuten Eurokrisen-Gipfel: Das pleitebedrohte Griechenland bekommt die dringend benötigte nächste Finanzspritze.
Am Abend gaben die Euro-Finanzminister wie erwartet ihren Anteil der 8-Milliarden-Kredittranche frei. Die Euro-Länder übernehmen 5,8 Milliarden, den Rest zahlt der IWF.
Bereits vor dem Treffen hatte der Luxemburger Ressortchef Luc Frieden erklärt: Athen habe „alle Bedingungen erfüllt“. Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter antwortete auf die Frage, ob das Geld ausgezahlt werde: „Ja.“
EURO-KRISE
+++ EURO-TICKER +++
Obama nimmt Europäer in die Pflicht
+++ EURO-TICKER +++
Merkel und Sarkozy wollen EU umbauen
CAMERON IN BERLIN
Briten zittern vor deutschen Euro-Plänen
BERLUSCONI WEG
Jetzt soll Super-Mario Italien retten
EUROBONDS
SCHULDENKRISE
Bundesbank schließt Euro-Bonds nicht aus
EUROBONDS
Wunderwaffe gegen die Schuldenkrise?
BARROSO-OFFENSIVE
Eurobonds-Pläne liegen auf dem Tisch
ZOFF UM BUNDESHAUSHALT
Wieso machen wir denn neue Schulden?
Das Geld stammt aus dem alten Hilfsprogramm für Athen von 2010. Ohne diese Rate wäre Griechenland Anfang Dezember pleite.
Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten die zunächst bewilligte Auszahlung Anfang November auf Eis gelegt. Grund war die Ankündigung Athens, das Volk über das Spar- und Reformpaket abstimmen zu lassen. Das Referendum ist inzwischen längst wieder vom Tisch.
Nachdem sich zuletzt alle griechischen Spitzenpolitiker verbindlich zu dem Spar- und Reformpaket des Landes bekannt hatten, waren die Auflagen der EU erfüllt.
+++ EURO-TICKER +++
19.30 Uhr – Neue Milliardenhilfe für Athen: Das pleitebedrohte Griechenland erhält wie erwartet die nächste Finanzspritze von acht Milliarden Euro. Die Euro-Finanzminister gaben am Dienstag in Brüssel die Kredittranche der Euro-Länder frei, sagten EU-Diplomaten. Dabei handelt es sich um 5,8 Milliarden Euro, der Rest kommt vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Das Geld stammt aus dem alten Hilfsprogramm für Athen von 2010. Ohne diese Rate wäre Griechenland Anfang Dezember pleite.
18.40 Uhr – Euro-Minister: EFSF-Hebel nicht so stark wie erhofft: Die Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF funktioniert nicht wie von den 17 Euro-Staaten bisher erhofft. Dies räumten mehrere Finanzminister bei einem Treffen am Dienstag in Brüssel ein.
Das derzeitige EFSF-Kreditvolumen von 250 Milliarden Euro könne voraussichtlich nicht wie geplant auf eine Billion Euro vervierfacht werden, sagte der niederländische Finanzminister Kees de Jager. „Vermutlich werden wir es um das Doppelte oder 2,5-fache erhöhen können“, sagte er.
17.05 Uhr – Merkel bleibt hart: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht mit einerharten Verhandlungsposition in den EU-Gipfel zur Schuldenkrise Anfang Dezember. Dass es für das deutsche Ziel strengerer Stabilitätsregeln im Gegenzug gleichzeitig ein Ja zu Eurobonds geben könnte, sehe sie nicht, machte Merkel nach Teilnehmerangaben am Dienstag in der Sitzung der Unionsfraktion deutlich.
„Diese Art von Vorgehen kann ich nicht für richtig halten.“ Es passe nicht zusammen, Defizitsünderschärfer zu sanktionieren und zugleich gemeinsame Zinssätze zu vereinbaren.
Die Kanzlerin bekräftigte auch ihr Nein zu einem großflächigen Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB). „Ich habe die Absicht, bei meiner Haltung zu bleiben.“ Es solle bei der Teilung der Aufgaben bleiben, dass die EZB für Geldstabilität zuständig sei und die Staaten sich Liquidität selbst beschaffen müssten.
EURO-KRISE
Euro-Finanzminister treffen sich in Brüssel
Quelle: Reuters
16.15 Uhr – Eurokurs wackelt: Der Kurs des Euro hat am Dienstagangesichts der weiter schwelenden Schuldenkrise starke Kursausschläge verzeichnet. Nachdem die Gemeinschaftswährung im frühen Handel noch unter der Marke von 1,33 US-Dollar notiert hatte, stieg der Kurs im Mittagshandel zeitweise bis auf 1,3436 Dollar. Dann schwanden die Gewinne wieder fast komplett.
Am späten Nachmittag wurde die europäische Gemeinschaftswährung zuletzt mit 1,3339 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3336 (Montag: 1,3348) Dollar festgesetzt. Der Dollarkostete damit 0,7499 (0,7492) Euro.
15.09 Uhr – Dax zwischen Hoffen und Bangen: Zwischen Hoffen und Bangen hat die Schuldenkrise dem deutschen Aktienmarkt auch wieder den Stempel aufgedrückt und für deutliche Schwankungen gesorgt. Nach einer Berg- und Talfahrt konnte sich der Dax am Nachmittag mit 0,05 Prozent knapp im Plus behaupten bei 5748 Punkten.
Händlern zufolge ist das Auf und Ab vor allem ein Zeugnis für die Unsicherheit der Anleger, nachdem sich der Leitindex an den vergangenen beiden Handelstagen kräftig erholt hatte. Seit seinem Tief am Freitag konnte der Dax um mehr als 7 Prozent zulegen und damit einen Teil seiner jüngsten Verluste wieder wettmachen. Der TecDax stieg um 0,50 Prozent auf 678 Punkte, der MDax dagegen fiel um 0,79 Prozent auf 8523 Punkte.
14.52 Uhr – Eurokurs gefallen: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3336 (Montag: 1,3348) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7499 (0,7492) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85365 (0,85820) britische Pfund, 103,82 (103,82) japanische Yen und 1,2280 (1,2309) Schweizer Franken fest.
12.04 Uhr – Frankreich für Elite-Bonds: Trotz deutscher Ablehnung wirbt Frankreich für die Einführung von Gemeinschaftsanleihen der sechs kreditwürdigsten Eurozonenländer. Man erwäge einen entsprechenden Vorschlag als Teil eines Maßnahmenpaketes zur Eindämmung der Krise, sagte ein französischer Diplomat. Über sogenannte Elite-Bonds werde in den Vorbereitungen des EU-Gipfels kommende Woche gesprochen. Die Bundesregierung hatte am Montag Medienberichte über Gemeinschaftsanleihen der AAA-Staaten als pure Spekulation zurückgewiesen. Befürworter sehen darin eine Möglichkeit, Geld für Sorgenkinder der Eurozone einzusammeln, wenn diese im Gegenzug strikte Sparauflagen erfüllen.
11.54 Uhr – Italiens Zinskosten steigen: Die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen sind bei einer Auktion bis auf 7,89 Prozent in die Höhe geschossen. Das waren 2,96 Prozent mehr als im vergangenen Monat. Die Zinsen für dreijährige Anleihen erreichten 7,56 Prozent. Das waren 1,5 Prozent mehr als im Vormonat. Damit wächst der Druck weiter auf den neuen Ministerpräsidenten Mario Monti, schnell die notwendigen Reformen durchzusetzen.
11.07 Uhr – Brandanschlag auf Finanzamt in Athen: Verletzt wurde niemand. Zu dem Anschlag im Athener Stadtteil Glyfada bekannte sich zunächst niemand.
11.00 Uhr – Keine Kreditklemme in Sicht: Die meisten Firmen kommen in Deutschland trotz Turbulenzen an den Finanzmärkten und Euro-Schuldenkrise nach wie vor ohne größere Schwierigkeiten an frisches Geld. Nach zwei leichten Anstiegen in Folge sank die vom Münchner ifo Institut erhobene Kredithürde im November wieder ein wenig. Demnach klagen 22,4 Prozent der befragten Firmen, die Banken seien bei der Vergabe von Krediten zurückhaltend.
11.29 Uhr – Dax dreht ins Plus: Der Dax hat es nach einem schwachen Start ins Plus geschafft. Zuletzt stieg der Leitindex um 0,94 Prozent auf über 5800 Punkte, nachdem er im frühen Geschäft um bis zu ein Prozent gefallen war. Ein Grund war laut Händlern eine gut verlaufene Auktion italienischer Staatsanleihen. Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank ergänzte: „Die Marktteilnehmer geben die Hoffnung nicht auf, dass das anstehende Finanzministertreffen und der EU-Gipfel einen Lösungsansatz für die Schuldenkrise bringen könnte.“ Politiker hätten keinen Spielraum mehr dafür, die Finanzmärkte zu enttäuschen: „Sie müssen Nägel mit Köpfen machen.“
10.03 Uhr – Dax im Minus: Nach zwei kräftigen Erholungstagen hat der Dax im frühen Handel Verluste verbucht. Trotz guter Vorgaben aus Übersee nahmen Anleger vor dem Treffen der Euro-Finanzminister eine abwartende Haltung ein, hieß es am Markt.Gewinnmitnahmen drückten den deutschen Leitindex im frühen Geschäft mit 0,78 Prozent ins Minus auf 5701 Punkte. Nach zuvor neun schwachen Tagen mit einem Minus von mehr als 11 Prozent hatte der Leitindex in den vergangenen beiden Handelsrunden die Hälfte dieser Verluste wieder aufgeholt. Der MDax gab am Morgen um 0,72 Prozent auf 8529 Punkte nach. Einzig der TecDax stand knapp mit 0,07 Prozent im Plus bei 675 Punkten.
8.25 Uhr – Euro auf Erholungskurs: Der Euro hat sich weiter von seinen starken Verlusten in der vergangenen Woche erholt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,3360 US-Dollar. Ein Dollar war zuletzt 0,7485 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagmittag auf 1,3348 (Freitag: 1,3229) Dollar festgesetzt.
8.19 Uhr – Tokio schließt fest: Die Börse in Tokio hat nach positiven Vorgaben der Wall Street fest geschlossen. Gestützt durch eine Abschwächung des Yen und Aufschläge an anderen asiatischen Märkten zog der Nikkei-Index für 225 führende Werte deutlich um 190,33 Punkte oder 2,30 Prozent an und ging beim Stand von 8477,82 Punkten aus dem Handel. Der breit gefasste Topix verbesserte sich um 13,98 Punkte oder 1,95 Prozent auf den Stand von 729,68 Zählern.
7.44 Uhr – Italien soll noch mehr sparen: EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn macht sich große Sorgen über die finanzielle Lage Italiens und will von der neuen Regierung sofortige Reformen einfordern. Die Gefahr eines Zahlungsausfalls könne schnell zunehmen, wenn nicht die passenden Gegenmaßnahmen getroffen würden, zitierte „La Repubblica“ aus einem Dokument, dass Rehn Italien bei dem Treffen der Euro-Finanzminister am Nachmittag vorlegen wollte. Hierzu seien sofort Schritte erforderlich, die den Haushalt um elf Milliarden Euro entlasten, heißt es in dem Dokument der Zeitung zufolge weiter. Um seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, müsse Italien 2013 einen ausgeglichenen Haushalt erzielen.
SCHULDENKRISE
USA und Europa wollen an einem Strang ziehen
Quelle: Reuters
7.28 Uhr – Ölpreise tendieren uneinheitlich: Die Ölpreise haben am Dienstag vor dem mit Spannung erwarteten Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel uneinheitlich tendiert. Während der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Januar am frühen Morgen um 29 Cent auf 109,29 US-Dollar stieg, verbilligte sich ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) im asiatischen Handel um 23 Cent auf 97,97 Dollar.
6.51 Uhr – Experte warnt vor Horror-Inflation: Angesichts der europäischen Schuldenkrise hat der Ökonom Lüder Gerken vor einer Inflationsrate von knapp unter zehn Prozent in der Euro-Zone gewarnt. Er rechne damit, dass die meisten Regierungen in der Euro-Zone und die Europäische Zentralbank (EZB) politisch eine Inflationsrate von knapp unter zehn Prozent in Kauf nähmen, „in der Hoffnung, dass die Deutschen dabei nicht allzu sehr aufmucken“, sagte der Vorsitzende des Freiburger Centrums für Europäische Politik der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Inflationsgefahr drohe insbesondere, wenn die EZB den bereits begonnenen Aufkauf von Staatsanleihen hilfsbedürftiger Euro-Länder stark ausweite.
6.13 Uhr – Banken wollen schnelle Griechen-Lösung: Die von dem griechischen Schuldenschnitt betroffenen Banken drücken bei den Verhandlungen über einen freiwilligen Anleihentausch aufs Tempo. Sie gründeten dazu ein Steuerungskomitee, dessen Mitglieder Gespräche mit dem hoch verschuldeten Land und den Behörden führen sollen, teilte der Internationale Bankenverband IIF mit.
4.09 Uhr – Tokio tendiert fest: Die Tokioter Börse hat am Vormittag in Folgepositiver Vorgaben der Wall Street fester tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zur Handelsmitte einen Aufschlag von 67,43 Punkten oder 0,81 Prozent beim Zwischenstand von 8354,92 Punkten. Der breit gefasste Topix verbesserte sich bis dahin um 4,37 Punkte oder 0,61 Prozent auf den Zwischenstand von 720,07 Zählern.
1.11 Uhr – IWF dementiert italienisches Hilfsgesuch: Der Internationale Währungsfonds hat Spekulationen über ein Hilfsgesuch der hochverschuldeten Länder Spanien und Italien zurückgewiesen. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurde der IWF weder von Spanien noch Italien um Unterstützung gebeten, auch Verhandlungen finden nicht statt“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Der IWF könne Länder nur nach einer Anfrage unterstützen. Bisher sei das nur in Griechenland, Irland und Portugal der Fall.
00.48 Uhr – Ausblick für USA negativ: Nach dem Scheitern des sogenannten Superkomitees zur Sanierung des US-Haushalts hat die Ratingagentur Fitch ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA auf negativ gesenkt. Sie sei weniger zuversichtlich, dass die US-Regierung in der Lage sei, das Haushaltsdefizit abzubauen, hieß es in der Begründung der Ratingagentur. Die Bonität langfristiger Staatsanleihen wurde jedoch weiterhin mit der Bestnote AAA bewertet. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Bewertung langfristiger US-Papiere bereits im August auf die zweitbeste Note AA+ herabgestuft.
00.18 Uhr – EU-Spitzen bei Obama: Der US-Präsident hat EU-Kommissionpräsident José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Montag in Washington empfangen. Thema: Die Schuldenkrise in Europa. Obama nahm die EU-Spitzenvertreter in Pflicht: Die Finanzkrise sei „etwas, was sie lösen müssen und wozu sie in der Lage sind – sowohl finanziell als auch politisch“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carnes, im Vorfeld des Treffens.