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Düsseldorfs Image – wo bleibt das Positive

Info: Gibt es etwas Besonderes, vielleicht sogar Einzigartiges, worauf Düsseldorf ein positives Image gründen könnte? Die einzige Einrichtung, die der Stadt ein Alleinstellungsmerkmal gibt, ist die Kunstakademie. Alle Kampagnen, die die Akademie stützen, sind wichtig.

Es ist ja wahrlich nicht so, dass die Düsseldorfer ihre Stadt nicht liebten. Das Problem ist nur, dass die anderen es nicht tun. Mehr noch: Sie bestreiten, dass diese Stadt sympathisch sei.

Die überörtlichen Medien und damit Teile der deutschen Öffentlichkeit neigen dazu, diese Stadt mit genüsslicher Bosheit zu kommentieren. Wenn das bei den Düsseldorfern zu umso heftigerer Heimatliebe führt, ist das schön, aber bedeutungslos. Jedenfalls für die Wirkung draußen. Es gibt genug Alltagserfahrungen für das schwache Außenbild Düsseldorfs. Aus den zahlreichen Schreiben, Anrufen und Gesprächen, die an den Autor dieser Zeilen zum Thema "Düsseldorfs Image" herangetragen wurden, ist eine besonders treffend: "Wenn ich in Deutschland gefragt werde: Wo kommen Sie denn her? dann antworte ich: Aus Bremen, obwohl ich schon zwanzig Jahre in Düsseldorf wohne!"

Es ist schön, dass die Düsseldorfer Stadtspitze das Problem jetzt aufgegriffen hat und eine Imagekampagne veranstaltet. Allerdings geht es nicht darum, diese Stadt ihren Bewohnern liebenswert und sympathisch zu machen.

Das ist sie schon.

Es geht darum, die Medien und damit die deutsche Öffentlichkeit von dem anderen Düsseldorf zu überzeugen. Am ehesten überzeugend sind Fakten. Was hat Düsseldorf Besonderes – außer dem sympathischen rheinischen Menschentyp?

Kulturell ist die Stadt in mancher Hinsicht bemerkenswert: Sie hat eine hochklassige Oper, ein sehr gutes Konzerthaus, ein gutes Schauspielhaus, hat eindrucksvolle Museen und Sammlungen, hat ein Barockschloss, das auf die Liste des Weltkulturerbes will, und hat die Gehry-Bauten im Hafen, die Königsallee sowieso. Wirtschaftlich ist die Stadt stark, drei Dax-Konzerne haben hier ihre Zentralen, und der Flughafen ist nah an der Stadt. Düsseldorf zieht zunehmend hochklassige internationale Anwaltskanzleien an und läuft darin anderen Großstädten den Rang ab, es hat prominente Werbeagenturen und eine etwas blasser gewordene Modeszene. In Bildung und Wissenschaft hat es eine gute und ehrgeizige Universität, eine beachtliche Fachhochschule, gute bis sehr gute Schulen, eine breite Weiterbildungsszene.

Die Stadt ist stolz auf ihre große japanische Gemeinde, die sich offenbar wohlfühlt. Im Sport – na ja, ein breites Angebot in fast allen Sportarten und demnächst – so hoffen wir – einen Bundesliga-Fußballverein. Natürlich ist da noch die Altstadt mit der angeblich längsten Theke der Welt und die Düsseldorfer Jonges, der angeblich größte Heimatverein der Welt.

Und da ist Heinrich Heine. Er ist der wahrscheinlich größte Poet Deutschlands – jedenfalls der in der Welt bekannteste. Aber was verbindet ihn mit Düsseldorf? Er ist da geboren und hat später einmal eine freundlich-sentimentale Bemerkung über seine Geburtsstadt gemacht. Ansonsten wurde er aus Deutschland vertrieben, seine Werke wurden verboten oder zensiert. Da ist nicht viel, womit sich eine Stadt schmücken könnte. Im übrigen bringen tote Künstler ohnehin keinen wirksamen Stadtnimbus hervor – Ausnahmen vielleicht Weimar und Salzburg. Die Düsseldorfer sind zu Recht stolz auf vieles, aber das haben andere Städte auch, manches sogar besser und mehr. Jedenfalls ist nichts dabei, was, sagen wir: Berlin beeindrucken könnte. Hat denn Düsseldorf überhaupt etwas, was es vor allen Städten Deutschlands, vielleicht sogar Europas auszeichnet?

Nur eines: In Düsseldorf ist eine Kunstakademie, die wie keine andere Einrichtung die Kunst der Moderne und die zeitgenössische Kunst beeinflusst und geprägt hat. Heute gibt es kaum einen deutschen Künstler auf dem Weltmarkt, der nicht einmal Schüler oder Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie war. Man darf wahrscheinlich sagen: Das ist das weltweit wahrgenommene Alleinstellungsmerkmal dieser Stadt.

Umso schöner, wenn schon im 19. Jahrhundert ein starker Impuls von der Akademie ausging, wie es die gegenwärtige Ausstellung zur Düsseldorfer Malerschule im Ehrenhof belegt. Aber entscheidend ist, dass die Kunst des 20. und wahrscheinlich auch des 21. Jahrhunderts in Düsseldorf ihre Kraftquelle hatte und haben wird. Denn die Kunstakademie ist ja nicht der langsam blasser werdende Ruhm der Vergangenheit. Im Gegenteil: Sie ist durch die Arbeiten ihrer Professoren und Studenten eine fortwirkende Pflanzschule für immer neue Kreativität. Die Kunstakademie ist der Mythenkern Düsseldorfs.

Was macht diese Stadt daraus?

Es gibt lobenswerte Anstrengungen Düsseldorfs, sich als Ort der Kunst zu verstehen und vorzuzeigen. Das Kunstmuseum, die NRW-Kunstsammlung, also K 20 und K 21, die Kunsthalle, das jährliche Galerienprogramm, auch das Atelierprogramm als aktives Förderprogramm für junge Künstler gehört dazu. Aber das ist nicht sehr viel mehr als das, was etwa auch Stuttgart oder Frankfurt tun. Von München nicht zu reden.

Und es gibt hier zu viele Halbherzigkeiten. Nur ein Beispiel: die Quadriennale der Kunst – ein Ereignis, in dem sich Düsseldorf alle vier Jahre als große Kunststadt präsentiert. Das ist ein gut gemachtes Unterfangen, aber wenn so etwas nur alle vier Jahre stattfindet, erinnert sich kein Mensch daran, dass es eine Reihe ist. Die Quadriennale sollte – um überörtliche Wirkung zu gewinnen – mindestens zur Biennale werden, sollte alle zwei Jahre stattfinden.

Indes, das wirklich Wichtige ist: Nur Düsseldorf hat mit der Kunstakademie eine weltweit anerkannte Spitzeneinrichtung, hat die vielleicht wichtigste "Baumschule der modernen Kunst". Die anderen haben vor allem Museen, wenn es hoch kommt haben sie Kunstmessen. Freilich: Bisher darf sich die Stadt nur mit halbem Recht der Kunstakademie rühmen. Denn die Akademie ist Teil – wenn auch wahrscheinlich der berühmteste Teil – des nordrheinwestfälischen Hochschulsystems. Das Land finanziert die Akademie. Also könnte eine allzu umstandslose Vereinnahmung der Akademie durch die Stadt zu dem Vorwurf führen, dass man sich mit fremden Federn schmückt. Das würde von mancher Seite gern aufgegriffen und giftig ausgebreitet werden.

Daher ist es ein Glücksfall, dass sich jetzt eine Gelegenheit ergibt, durch die Düsseldorf ein herausragendes Engagement für "seine" Kunstakademie beweisen kann. Etwas, was nicht Image-Kampagne ist, sondern gute Stadtpolitik. Der neue Rektor der Kunstakademie Tony Cragg will ein neues Ausbildungsprogramm verwirklichen, das einerseits eine kleine Revolution in der Ausbildung der künftigen Künstler ist, das anderseits eine unerwartete und außerordentliche Chance für Düsseldorf bietet. Die Kunststudenten sollen nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums nicht einfach in alle Welt sich verstreuen und ihr Glück versuchen. Vielmehr sollen die besten unter ihnen in einem sogenannten Graduiertenprogramm zwei Jahre in Düsseldorf gehalten werden und sollen hier die Schritte in die künstlerische Selbständigkeit tun.

Man kann dieses Vorhaben gar nicht wichtig genug einschätzen.

In erster Linie natürlich für die künstlerische Entwicklung der jungen Leute. Aber auch für das kreative Klima dieser Stadt. Jetzt schon profitieren die vielen Werbeagenturen von der kreativen Atmosphäre rund um die Kunstakademie. Eine solche Graduiertenschule würde das wahrscheinlich potenzieren.

Einige Politiker der Stadt haben diese Chance begriffen. Sie haben vorgeschlagen, auf dem Areal des ehemaligen Straßenbahndepots "Am Steinberg" in Bilk ein Atelier-Zentrum für die hochbegabten Absolventen der Kunstakademie zu bauen. Das Land müsste sich beteiligen, die Stadt mindestens das Grundstück stellen. Hier ist eine Chance, Halbheiten und Kompromisse hinter sich zu lassen. Wenn Düsseldorf hier mutig ist, dann macht es daraus ein weithin sichtbares Förderzentrum für die bildende Kunst der Gegenwart.

Die Stadt dürfte sich mit weit größerem Recht Kraftquell der modernen Kunst nennen.



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