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Blendend amüsiert

Info: Eine perfekte 'Night of the Proms'

München - Kaum etwas hat im Musikleben Deutschlands größeren Schaden angerichtet als der Begriff der 'ernsten Musik'. Jahrzehntelang deformierten die Ängste, sich entweder über Gebühr anstrengen oder unter 'Niveau' unterhalten lassen zu müssen auf allen Ebenen die Rezeption von Musik. Insofern ist es fast ein Wunder, dass sich hierzulande ein Konzept wie die 'Night of the Proms' durchsetzen konnte, das sich den Schubladen verweigert und übergreifend Qualität sucht, wie das zum Beispiel im angelsächsischen Raum (die Boston Pops gibt es seit 1881!) normal ist.

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Der Versuch, diese breitbandige musikalische Show - nicht mehr und nicht weniger will NOTP sein - durchgängig erstklassig zu besetzen und zu gestalten, ist mal besser, zuletzt auch mal schlechter gelungen. So gut wie in diesem Jahr, das ist das Fazit der München-Premiere, hat es noch nie funktioniert. Vor allem, weil man nicht nur den Sponsor getauscht, sondern auch das Konzept runderneuert hat: Weniger alte Zöpfe und Mitmach-Teile, dafür eine viel bessere Verschränkung der Stile und Künstler. Da singen die Div4s mit Seal, da interpretiert Alison Moyet neben ihren eigenen Hits hinreißend den Jazz-Standard 'That Ole Devil Called Love', da lässt sich Dirigent Robert Groslot mit dem in seiner Art konkurrenzlosen Orchester Il Novecento und dem Fine Fleur Chor - unvergesslich dessen 'Rolling In The Deep' von Adele - auf einen Battle mit DJ Replay ein, bei dem Mozart, Beethoven oder Chopin erst hart auf die Stones, AC/DC oder Michael Jackson prallen, dann ineinander übergehen, bis gar das Orchester Faithless" Techno-Hymne 'Insomnia' anstimmt.

Fast alles profitierte von dieser Durchlässigkeit und den wirklich meisterhaften Arrangements: Seals eigentlich langatmige, jetzt bombastisch aufgeladenen Songs; die immer noch geniale - und hier genial bebilderte - Disco-Funk-Mucke von Chic und Nile Rodgers; selbst die braven Popjungs von Stanfour. So blendend hat man sich schon lange nicht mehr zwischen den Stühlen amüsiert - ganz ernsthaft.Oliver Hochkeppel

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